Soziale Normen beeinflussen unser Essverhalten stärker als Faktenwissen.

Wer kennt das nicht: Nach der bestürzenden Lektüre des Artikels zur Massentierhaltung oder der schockierenden Doku über Kinderarbeit nehmen wir uns felsenfest vor, unser Verhalten zu ändern. Und doch sind wir spätestens nach ein paar Wochen wieder voll im Trott. Woran liegt das?

Haben uns Soziale Normen fest im Griff?

Im Grunde ist dem breiten deutschen Publikum die Grausamkeit der Nutztierhaltung bereits seit den detaillierten Fernsehberichten der 1970er-Jahre bekannt. Die überwältigende Mehrheit ist sogar grundsätzlich dagegen: 92% der Befragten einer Studie wünschten sich, die Bundesregierung würde die nicht-artgerechte Tierhaltung komplett verbieten. Trotzdem werden die fragwürdigen Produkte fleißig weiter konsumiert.

http://www.wirtschaftslexikon24.com/d/norm-soziale/norm-soziale.htm

Grund für dieses widersprüchliche Verhalten ist unser Herdentrieb, denn unser Konsumverhalten wird am stärksten von unserem Umfeld beeinflusst. Je mehr Zweibeiner im Rudel kopflos kritische Produkte konsumieren, desto selbstverständlicher erscheint das auch uns. Die soziale Orientierung ist ganz natürlich: Wir gehen lieber Rüssel an Schwanz hinterher, als auf lange Sicht außen vor zu sein.

Außerdem fällt die Umstellung auf eine fleischlose Ernährung manchen Menschen schwerer als anderen. Das liegt vor allem an der Macht der Gewohnheit, denn wir verzichten ungern auf Dinge, die wir seit Kindheitstagen lieben. Wer noch dazu die fleischlastige deutsche Küche gewohnt ist, hat es bei der Umstellung doppelt schwer. Während Saucen und Suppen ihren Geschmack hier traditionell durch die obligatorische Fleischzubereitung erhalten, basieren z.B. asiatische Saucen oft auf fleischunabhängigen Geschmacksträgern wie Soja oder Kokosmilch.

Dass Männer indes im Schnitt doppelt so viel Fleisch essen wie Frauen, hat ebenso mit Sozialisierung zu tun. Wer als Mann kein Fleisch isst, gilt schnell als Spargeltarzan, Müslifresser oder halbe Portion. Männern wird der Wunsch nach einer stämmigen und kompakten Figur quasi mit der Hühnerbrühe eingelöffelt, während Frauen auf zunehmend schmächtige Bikinifiguren versessen sind.

Wenn uns bei der Umstellung unseres Konsumverhaltens also unsere Bequemlichkeit im Weg steht, kann dann nicht vielleicht Papa Staat helfen?

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