In den ersten Hochkulturen hatte das Essen eine zentrale gesellschaftliche Funktion.

Die neuen Hochkulturen führten zu einer bis dahin ungekannten Ausdifferenzierung der Gesellschaft. Maßgeblich hierfür war, neben der Entwicklung der Schrift durch die Sumerer, die zunehmende Produktivität in der Landwirtschaft, womit wir wieder beim Essen wären.

Die Kontrolle über die Ernährung war ein wesentlicher Faktor für die Stabilität dieser hierarchischen Gesellschaften. So enthielten Verteilungslisten aus dem alten Ägypten die genauen Rationen an Getreide, die den Einwohnern aus den königlichen Getreidesilos zur Verfügung gestellt wurden. Kinder erhielten 10 Liter Gerste monatlich, Männer je nach Tätigkeit 40–60 Liter, Frauen die halbe Portion ihrer Männer. Die königlichen Kornspeicher waren zentral platziert, was deren herausragende Bedeutung für die Aufrechterhaltung der hierarchischen Ordnung belegt. Zudem spielte das staatlich rationierte Getreide die Rolle eines allgemeinen Tauschmittels, da die Geldwirtschaft zu dieser Zeit noch kaum verbreitet war.

Die Getreidenahrung wurde durch Fischfang und selbst angebautes Gemüse ergänzt. Außerdem gab es bereits eine Art gebrautes Bier, Dattelsirup und Sauerteig. Diese bedeutende Neuentwicklung fand vielfache Verwendung. So soll es im alten Ägypten ein Brot mit einer Vertiefung in der Mitte für Gemüse oder Ei gegeben haben – eine Frühform der Pizza. Nach Schätzungen stimmen die Nährwerte der damaligen Kost ziemlich genau mit den aktuellen Richtlinien der Vereinten Nationen überein.

Nicht nur die zentral gesteuerte Verteilung sorgte für die große Bedeutung der Nahrung in den Hochkulturen. Auch bei Ritualen und Zeremonien stand sie meist im Mittelpunkt.

So fand sich die ägyptische Oberschicht zu Opferfesten in Tischgemeinschaften zusammen. Lud der Pharao ein, tafelten bis zu 61 solcher Tischgemeinschaften. Neben dem Schmaus wurden dabei große Mengen Brot und auch ein wenig Fleisch den Göttern geopfert. Bei diesen Festessen gab es eine strenge Sitzordnung, welche die Rangordnung im gesellschaftlichen Gefüge repräsentierte. Das gemeinsame Essen und Trinken hatte somit eine starke soziale Bedeutung, es zementierte die gesellschaftlichen Verhältnisse.

Unsere Zeitreise hat uns nun bis an den Ursprung der Antike geführt. Auch bei den alten Griechen und Römern gab es kulinarische Neuerungen, wie wir sehen werden.

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