Im Mittelalter entstand eine tiefe Kluft zwischen Osten und Westen, auch in der Esskultur.

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Als im Jahre 395 das Römische Reich nach einem halben Jahrtausend globaler Dominanz in zwei Hälften zerfiel, nahm auch die Esskultur verschiedene Wege.

Während das Oströmische Reich mit der Hauptstadt Konstantinopel die römisch-mediterrane Kultur weitgehend beibehielt und in wachsendem Wohlstand fortentwickelte, ging es mit dem Weströmischen Reich bergab. Die sich ausbreitenden germanischen und keltischen Stämme destabilisierten das Reich, Zentralmacht und Städtewesen erlebten einen Niedergang.

Das hatte u.a. die Folge, dass die ausgefeilten römischen Wassersysteme verfielen. Die Qualität des Trinkwassers in den Städten nahm dramatisch ab, in vielen Regionen kam es deshalb zu einem massiven Bevölkerungsrückgang. Auch die Ernährung veränderte sich. Einerseits wurden mehr Tierprodukte als je zuvor gegessen, andererseits kam es zu periodischen Hungersnöten, die bis zu einem Viertel der Gesamtbevölkerung dahinrafften. Insgesamt zerfiel die ausdifferenzierte antike Gesellschaft in West- und Mitteleuropa in eine relativ amorphe Masse, die mit stetigem Mangel zu kämpfen hatte.

Um Konstantinopel dagegen entwickelte sich die antike Esskultur weiter. Die zentrale Rolle von Fischsoße und Olivenöl blieb erhalten, dazu erweiterten fernöstliche Gewürze das Geschmacksspektrum. Arme wurden von staatlichen und kirchlichen Einrichtungen mit Essen versorgt – ein im Westen utopischer Zustand.

In beiden Kulturräumen blieben Mahlzeiten jedoch ein wichtiges Politikum. Die legendäre Tafelrunde des König Artus z.B. war nicht nur dem Namen nach, sondern in der Tat eine gemeinsame Mahlzeit. Die sogenannte Schwurfreundschaft unter Männern bedeutete, dass man sich gegenseitig in Zeiten der Not und im Kampf beistand. Sie wurde durch ein gemeinsames Mahl besiegelt. Wer mit wem aß, war also alles andere als zufällig. Die Tafelrunde etwa, welche nicht nur König Artus unterhielt, war Ausdruck eines bindenden vertraglichen Verhältnisses. Erst gegen Ende des Mittelalters übernahmen schriftlich kodifizierte Verträge zunehmend die Rolle der Tafelrunden.

Ebenso strukturierte die christliche Kirche sowohl im Westen als auch im Osten die Nahrungsaufnahme durch komplexe Regeln, etwa mit der Einführung von Fasten-, Fleisch- und Freitagen. Indem die Kirche solchermaßen den Alltag der Bevölkerung prägte, demonstrierte sie permanent ihren Machtanspruch.

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