Erst durch den Verzicht merken wir, wie präsent Essen in unserem Leben ist.

Print Friendly, PDF & Email

Bei allem Reden über Essensverzicht vergisst man leicht: Nahrung ist mehr als ein bloßer Brennstoff. Essen verbindet. Nicht umsonst treffen wir uns gerne mit Freunden zum Abendessen oder kommen mit der ganzen Familie am Frühstückstisch zusammen. Nahrung wird praktisch immer und überall aufgenommen. Erst wenn wir einmal nicht mehr essen, fällt uns auf, wie sehr sich alles ums Essen dreht.

Wir essen ständig und aus allen möglichen Gründen – Hunger hat damit oft wenig zu tun. Wenn wir abends vor dem Fernseher sitzen, kann uns der Kühlschrank manchmal anziehen wie ein Magnet, selbst wenn wir gar nicht hungrig sind. Oft sind es Langeweile oder Gewohnheit, die uns zum Knabbern treiben. Oder wir futtern, um uns weniger allein zu fühlen, denn Essen hat auch die seltsame Fähigkeit, Trost zu spenden.

Mir fiel ebenfalls erst beim Fasten auf, dass so gut wie jede meiner Verabredungen irgendwie mit Essen verbunden war. Selbst nach einem Spaziergang mit Freunden kehrte sie anschließend immer irgendwo ein, um etwas zu konsumieren. Aber warum? Reicht nicht der Akt des Spazierengehens selbst? Solche Fragen stellt man sich während des Fastens beinahe automatisch. Und für viele Menschen ist es das erste Mal, dass sie über die Funktion des Essens nachdenken – und auch, dass ihnen auffällt, wie viel Zeit sie rund um das Schlemmen verbringen.

So banal es klingen mag, im Umkehrschluss bedeutet das: Wer aufs Essen verzichtet, hat plötzlich viel mehr Zeit! Denn nicht nur das Essen an sich dauert, sondern auch das Planen und Ausdenken, das Einkaufen und Zubereiten und – nicht zu vergessen – der Abwasch verschlingen etliche Stunden pro Woche. Schnell merkte ich, dass ich viel relaxter und weniger gehetzt fühlte. Achja… und mein Geldbeutel hat sich auch bei mir bedankt.

Die größte Erkenntnis war aber wohl die, dass es am Ende halb so schwer war, wie ich gedacht hatte. Nicht-Essen lässt sich aushalten, wenn man den Willen hat. Schaut man beim Abendessen auf die Uhr, fällt schnell auf, dass der eigentliche Akt des Essens selten länger als eine halbe Stunde dauert. Und das lässt sich doch locker überstehen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.