Die Lebensmittelindustrie nimmt Einfluss auf politische Entscheidungen.

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Erinnerst du dich an die Debatte um die Einführung eines Ampelsystems zur verständlichen Farbkennzeichnung der Qualität von Lebensmitteln? Die Idee war super: Wir als Konsumenten sollten auf einen Blick sehen können, ob Inhaltsstoffe wie Zucker, Fett oder Salz in einem gesunden, mittelmäßigen oder ungesunden Verhältnis in einem Produkt enthalten sind. Der entsprechende Gesetzesentwurf ist leider nie verabschiedet worden. Warum eigentlich? Ich möchte Dich auf diesen Blog einladen.

Ampelsystem in der Lebensmittelindustrie

In Großbritannien z.B. hatte sich das Modell nach der Einführung 1990 positiv auf die allgemeine Gesundheit ausgewirkt. 90% der befragten Konsumenten hielten die Ampelkennzeichnung für schnell und leicht verständlich. Das Konsumverhalten der Menschen veränderte sich so deutlich, dass viele Produzenten wesentlich weniger Salz, Fett und Zucker in ihren Fertiggerichten verwendeten.

Im Juli 1990 sprachen sich auch zwei Drittel der deutschen Bevölkerung für die Einführung eines solchen Systems aus und Ärzteverbände und Krankenkassen unterstützten den Appell an die Regierung. Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte forderte die Politik mit deutlichen Worten auf, „nicht nur die Interessen der Nahrungsmittelindustrie zu schützen“, da nur die wenigsten Menschen das berüchtigte Kleingedruckte auf Lebensmittelverpackungen lesen oder richtig interpretieren könnten.

Ampelsystem in der Lebensmittelindustrie

Als sich das EU-Parlament all dieser Fürsprache zum Trotz gegen eine solche Regelung entschied, berichteten die Medien, die Abgeordneten seien unter dem enormen Druck der agroindustriellen Großkonzerne eingeknickt. Tatsächlich gab die europäische Lebensmittellobby über eine Milliarde Euro aus, um die Ampelkennzeichnung zu verhindern. Auf jedes Schreiben der Befürworter der Ampel kamen neun industriefinanzierte Schreiben, die das System als „zu simpel und nicht wissenschaftlich begründet“ diffamierten.

Die Propagandarhetorik funktionierte so gut, dass die CDU-Europaabgeordnete Renate Sommer bei ihrer Begründung für die Ablehnung der Farbkennzeichnung quasi wortwörtlich die Formulierungen der Lebensmittelindustrie übernahm.

Doch damit nicht genug. Die gezielte Beeinflussung politischer Entscheidungen durch hartnäckigen Lebensmittellobbyismus betrifft sogar die Produktionsbedingungen.

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