Die Kriegszeiten brachten den Mangel zurück nach Mitteleuropa – und die Ernährungspolitik.

Bereits vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs hatte die deutsche Agrarproduktion kaum Schritt halten können mit dem massiven Bevölkerungswachstum. Somit kam es unmittelbar nach Kriegsbeginn zu Nahrungsengpässen. Der Staat versuchte dem zu begegnen, indem er verordnete, Ersatzprodukte zu entwickeln und bspw. Mehl mit Kartoffelflocken oder Kohlrüben zu strecken. Erstmals in Deutschland wurde der Lebensmittelmarkt staatlich reguliert und rationiert.

Diese Maßnahmen konnten jedoch nicht verhindern, dass eine zunehmende Mangelernährung um sich griff. Ein Grund dafür war die Priorisierung der Versorgung des Heeres und der kriegsrelevanten Wirtschaft. So war der Durchschnittsdeutsche infolge der desaströsen Versorgungslage am Ende des Ersten Weltkrieges 20% leichter und 3cm kleiner als zu Beginn des Krieges.

Noch weiter gingen die Nationalsozialisten. Sie instrumentalisierten die Ernährungspolitik von Beginn an als zentrales Werkzeug der Politik – und später auch als Waffe.

Ein „Reichsvollkornbrotausschuss“ hatte z.B. die Aufgabe, die Bevölkerung mit gesundem Vollkornbrot zu versorgen, allerdings nur die „arische“. Der nationalsozialistische Staat verfolgte die kontrollierte, effiziente und gesunde Ernährung der als arisch definierten Bevölkerung. Im Gegenzug setzte er den Hunger als politisches Kampfmittel gegen den Feind ein.

Insbesondere in Osteuropa war das gezielte Verhungernlassen der lokalen Bevölkerung ein weit verbreitetes Mittel zur Schaffung neuen Siedlungsraums für Deutsche. Auch Kriegsgefangene, Juden und andere unliebsame Bevölkerungsteile ließen die Nazis gezielt in Lagern verhungern.

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