Die fortschreitende Industrialisierung beendete den Hunger in Europa, schuf aber auch neue Probleme.

Print Friendly, PDF & Email

In unserem Schnelldurchlauf durch die Zeiten nähern wir uns langsam wieder der Gegenwart. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts nämlich bildeten sich Verhältnisse heraus, die uns vertraut erscheinen. Die fortschreitende Industrialisierung brachte große gesellschaftliche Konflikte mit sich, führte jedoch auch dazu, dass endlich die große Mehrheit der Menschen genug zu essen hatte.

So verzehnfachte sich zwischen 1850 und 1913 die Güterproduktion auf dem Gebiet des heutigen Deutschlands. Die vorher regelmäßig auftretenden Hungersnöte verschwanden aus Mittel- und Westeuropa, die Bevölkerung des alten Kontinents verdoppelte sich. Dank fallender Preise und steigender Reallöhne konnten auch Proletarier an der neuen Konsumkultur teilhaben.

Zudem führten Neuerungen im Transport, in der Konservierung sowie in der Synthetisierung von Zusatzstoffen zu einer nie gekannten Verbreitung von Lebensmitteln. Durch wissenschaftliche Methoden der Tierzucht vervielfachten sich die Fleisch- und Milcherträge, was den Anteil tierischer Proteine an der Ernährung stetig steigen ließ.

Gleichzeitig vereinheitlichten neue Produkte wie z.B. Maggi deutschlandweit die Kochkultur, regionale Eigenheiten verschwanden. Den durchschlagenden Erfolg verdankte das neue Einheitsgewürz einem ebenfalls neuen Kulturphänomen: der massenhaften und aggressiven Werbung.

Der wirtschaftliche Fortschritt führte jedoch auch zu neuen gesundheitlichen und ökologischen Problemen. Der flächendeckende Einsatz von Kunstdünger sowie die allerorts anfallenden industriellen Abwässer verunreinigten dramatisch die Böden und das Wasser. Ungezählte Schornsteine verpesteten mit ihren ungefilterten Ausstößen die Luft. Zum ersten Mal in der Menschheitsgeschichte traten massive, dauerhafte Umweltbelastungen auf.

Und noch ein Problem zeigte sich schon damals, welches uns heute noch beschäftigt. Die neuen Anbau- und Herstellungsmethoden steigerten zwar die Menge der verfügbaren Lebensmittel enorm, deren Qualität nahm jedoch deutlich ab. Neue Krankheitsbilder wie Vitaminmangel, Fehl- und Überernährung waren die Folge.

Schließlich jedoch kam der blanke Hunger zurück nach Europa – mit den beiden furchtbaren Weltkriegen des 20. Jahrhunderts.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.