Die aufkommende Industrialisierung bewirkte eine tiefgreifende Ausdifferenzierung der Ernährungssituation.

Der neue Reichtum, der zum großen Teil anderen Völkern geraubt wurde, trug dazu bei, die europäische Gesellschaftsstruktur erneut grundlegend zu verändern. So waren die immensen Einkünfte aus dem Handel mit Kolonialwaren ein Faktor, der dem Bürgertum seinen Aufstieg ermöglichte. Die Konflikte zwischen altem Adel, neuem Bürgertum und armer Mehrheit führten bald zu einem Ereignis, das Europa erschüttern sollte – der Französischen Revolution.

In ihrer Folge führte die aufkommende Industrialisierung zur Vernichtung der Grundlagen bäuerlicher Selbstversorgung und eine neue Schicht der Armen entstand: das Proletariat. Statt ihr eigenes kleines Stück Land zu bearbeiten, mussten diese bitterarmen Proletarier nun für wohlhabende Bürger in den entstehenden Fabriken schuften – unter unmenschlichen Bedingungen. 14-Stunden-Tage und Kinderarbeit waren die Regel, der Lohn reichte kaum zum Leben, das Leben wurde vollständig dem Takt der Maschinen angepasst.

Eine strikte Trennung von Arbeitszeit und Freizeit sowie Arbeitsplatz und Heimstatt war die Folge, das Leben wurde von der Stechuhr getaktet. Statt gemeinsam mit der Familie um einen Tisch zu sitzen, musste nun hastig am Arbeitsplatz gegessen werden, teils ohne die Arbeit zu unterbrechen.

Eine normale proletarische Mahlzeit bestand in Zeiten der Frühindustrialisierung um 1800 bis 1850 aus nicht mehr als einer Scheibe Schwarzbrot, ein paar Kartoffeln und Salz, an guten Tagen mit ein wenig Butter, dünnem Kaffee oder Wasser. Die geringe Quantität und fehlende Vielfalt der Ernährung, insbesondere der gravierende Proteinmangel, führten in vielen Arbeiterfamilien zu Mangelerscheinungen. Die enorme Belastung und der günstige Kartoffelschnaps trieben zudem nicht wenige in den Alkoholismus. Die Lebenserwartung in manchen Industriestädten fiel beträchtlich.

Gleichzeitig verschwanden traditionelle Lebensformen in den industriellen Zentren nahezu vollständig. Der Wandel war mitunter so radikal, dass das herkömmliche agrarische Versorgungssystem zunächst ohne Ersatz wegbrach und die explodierenden Städte durch gefährliche Nahrungsengpässe gingen.

Bezüglich der Ernährung war die Gesellschaft also grob dreigeteilt: Das Industrieproletariat aß sowohl qualitativ als auch quantitativ enorm schlecht. Die ländliche Bevölkerung bewahrte sich durch Selbstversorgung eine relativ gute Ernährung, diese war jedoch wie früher periodischen Schwankungen unterworfen. Das Bürgertum und die neureichen Kapitalisten waren dagegen die Profiteure des neuen Systems, sie genossen eine Versorgungssicherheit und Vielfalt wie nie zuvor in der Menschheitsgeschichte.

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