Der Kolonialismus der Neuzeit erweiterte die Nahrungspalette der Europäer.

Und schon sind wir in der frühen Neuzeit angelangt, wiederum eine Zeit bedeutsamer Veränderungen in Europa. Konstantinopel wurde von den Osmanen erobert, während die Renaissance Mittel- und Westeuropa eine bislang neue kulturelle und wissenschaftliche Blüte bescherte. Die Reformation führte zu konfessionellen Kriegen, schuf Askese und Strebsamkeit als neue Wertorientierungen und ebnete damit der Aufklärung den Weg.

Die durchgreifendsten Veränderungen für die Ernährung aber brachten die Entdeckungen der Seefahrer und der aufkommende Kolonialismus mit sich. Jede Menge bislang völlig unbekannter Lebensmittel fanden den Weg nach Europa.

Aus dem arabischen Raum und Äthiopien kam der Kaffee. Er setzte sich als Getränk des aufstrebenden Bürgertums durch, das sich bald in den zahlreichen Kaffeehäusern von Paris, Wien und London traf. Das neue Modegewürz Zucker passte dazu hervorragend. Lustigerweise setzte sich dieser Trend in Skandinavien nicht durch – dort wurde der Kaffee noch für lange Zeit gesalzen.

Eine weitere entscheidende Neuerung war die Kartoffel. Im 16. Jahrhundert noch misstrauisch beäugt, stieg sie in den darauffolgenden Jahrhunderten zur grundlegenden Zutat der europäischen Küche auf. Missernten beim Getreide ließen die ertragreiche Knolle im 18. Jahrhundert endgültig zum Grundnahrungsmittel aufsteigen, was besonders die arme Bevölkerung vor Hungersnöten bewahrte.

Auch bereits bekannte Lebensmittel standen nunmehr in einem völlig neuen Ausmaß zur Verfügung. So wurden exotische Gewürze, die lange Zeit eine fast unbezahlbare Kostbarkeit waren, durch die massiven Importe aus den Kolonien plötzlich der breiten Masse zugänglich. Insbesondere der Pfeffer avancierte in dieser Zeit von einem seltenen Luxusgut zum Standardgewürz. Bis heute sind Salz und Pfeffer die Basis des europäischen Gewürzregals.

Die Kartoffel wiederum brachte noch etwas ganz anderes mit sich. Ihr flächendeckender Anbau führte zum massiven Anwachsen des Schnapsbrennerhandwerks. Das Getreide des Mittelalters war für diesen Prozess zu wertvoll gewesen, die Kartoffel aber warf genug Ernte ab, um einen Teil auf das Brennen zu verwenden. So kam in der Neuzeit das Schnäpschen nach der Mahlzeit auf, bis heute ein elementarer Bestandteil der europäischen Esskultur.

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