Sport kann die Gemütslage positiv beeinflussen.

Mit ADHS, der Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung, ist das so eine Sache. Manche sagen, es handele sich dabei um eine Modediagnose, andere meinen, ADHS sei eine Erfindung der Pharmaindustrie. Doch egal, was man über die Diagnose denkt – die Symptome existieren und sie können mit ausreichend Bewegung bekämpft werden.

Im Jahr 2010 führte der Kinesiologe Matthew Pontifex eine Studie mit 8- bis 10-jährigen Kindern durch, bei denen ADHS diagnostiziert worden war. Im Laufe der Tests stellte sich heraus, dass bereits eine halbe Stunde auf dem Laufband zu einer Verbesserung ihrer Konzentrationsfähigkeit führte.

Darüber hinaus belegte ein achtwöchiges Experiment die positive Langzeitwirkung von Sport: Bei 70% der Kinder, die sich täglich etwa eine Stunde lang moderat bewegt hatten, nahmen die Symptome ab, und sie wurden von ihren Lehrern als konzentrierter wahrgenommen.

Sport kann also ausgleichend wirken – und das sowohl bei ADHS als auch bei Stimmungsschwankungen. Durch sportliche Aktivität wird nämlich die Ausschüttung und Produktion des Wachstumsfaktors Brain-derived neurotrophic factor (BDNF) angekurbelt. Dieses Protein beeinflusst sowohl den Transport von Serotonin als auch die Ausschüttung und Aufnahme von Dopamin. Diese beiden Neurotransmitter sind wesentlich an deinem psychischen Befinden beteiligt.

Wenn pubertierende Jugendliche etwa minutenweise zwischen himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt wechseln, so kann das mit einem niedrigen BDNF-Spiegel zusammenhängen. In diesem Fall hilft eine gute Dosis Sport. Aber auch falls die emotionalen Höhenflüge ausbleiben und man sich dauerhaft im Stimmungstief befindet, kann Bewegung helfen. Aerobes Training wirkt nämlich aktiv gegen Depressionen. Das funktioniert so:

Wenn man dauerhaft unter Stress steht, schüttet der Körper zu viel Cortisol aus. Dieses Hormon ist zwar unverzichtbar für die Steuerung des Tagesablaufs, zu viel davon schadet jedoch auf Dauer dem Gehirn. Insbesondere der Hippocampus leidet unter einem Cortisol-Überschuss. Eine mögliche Konsequenz ist die Verschlechterung des Kurzzeitgedächtnisses. Darüber hinaus kann ein Überangebot des Stoffes Krankheiten wie Depressionen auslösen, indem es die sogenannten Promoter aktiviert.

Ein Promoter ist ein bestimmter Teil eines Gens, der im Grunde wie ein Schalter wirkt. Er ist dafür verantwortlich, dass ein Gen „eingeschaltet“ wird. Wird er nicht aktiviert, so bleibt das Gen inaktiv. Das gilt auch für solche Gene, in denen Informationen über Krankheiten wie Depressionen oder Allergien gespeichert sind. Solche Promoter werden u.a. von Umwelteinflüssen wie Alkoholkonsum oder Stress bzw. Cortisol aktiviert und lösen infolgedessen Veränderungen im Organismus aus.

Aerobes Training senkt den Cortisol- und Adrenalinspiegel und verhindert so, dass die Promoter aktiviert werden. Außerdem fördert es die Produktion von PGC-1alpha – ein Protein, dessen Enzyme verhindern, dass die Stress induzierende Aminosäure Kynurenin ins Gehirn gelangt.

Sport kann also durch Senken des Cortisolspiegels sowohl den Ausbruch einer Depression verhindern als auch bei einer akuten Depression helfen, indem die Aminosäure Kynurenin aufgehalten wird.