Cholesterin ist besser als sein Ruf.

Einer kleinen Stadt namens Framingham in der Nähe von Boston verdanken wir es, dass wir wieder unbeschwert unser Frühstücksei essen können. Denn dort wird seit 1948 eine groß angelegte Langzeitstudie durchgeführt, die mit der Zeit eine zweite Ernährungslüge aufgedeckte: die Mär, dass ein hoher Cholesterin-Wert lebensbedrohlich sei. In Wahrheit ist er kein verlässlicher Indikator, um das Risiko für Herzerkrankungen vorherzusagen.

Cholesterin ist eine fettartige Bausubstanz in unseren Zellmembranen. Es stützt und festigt die Zellwand, sorgt für deren Durchlässigkeit und hält gleichzeitig unerwünschte Eindringlinge fern. In der Framingham-Studie wurde diese Substanz bei 5.200 Bewohnern des US-amerikanischen Städtchens überwacht. Das Ergebnis nach 30 Jahren: Je weiter der Cholesterinwert gesenkt wurde, desto höher waren das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und die Sterblichkeit insgesamt. In den 1980er-Jahren wollte davon allerdings kaum jemand etwas hören, denn die Ergebnisse passten so gar nicht in das herrschende Bild vom Cholesterin als Feind Nummer eins, das sich im Zuge des Fettarm-Dogmas gebildet hatte.

Jahrzehntelang unterteilte man Cholesterin in „schlechtes“ LDL-Cholesterin und „gutes“ HDL-Cholesterin, also in low density und high density Cholesterin. Mittlerweile weiß man, dass hohe HDL-Werte nicht per se ein niedriges Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen bedeuten und dass niedrige LDL-Werte differenzierter betrachtet werden müssen. Denn nur eine Gruppe der LDL-Partikel ist schädlich, die sogenannten small density LDL-Partikel oder s-LDL. Wenn sie oxidieren und sich in den Zellwänden ansammeln, verursachen sie Entzündungen und Arteriosklerose. Die Produktion des bösartigen LDL wird über kohlenhydratreiche Nahrung angekurbelt, eine fettarme Ernährung reduziert zusätzlich die Größe der LDL, sodass die Bildung von s-LDL begünstigt wird.

Mittlerweile wurden Triglyceride – also damit die Blutfettwerte – als ein besserer Indikator für Herzerkrankungen ausgemacht. Wenn wir uns kohlenhydrat- und zuckerreich ernähren, wird die Leber gezwungen, eine große Menge dieser Stoffe zu bilden. Deswegen ist ein hoher Triglyceridwert ein guter Indikator für übertriebenen Kohlenhydratkonsum.

Das Fazit zur Cholesterin-Hysterie: Um die Gesundheit eines Menschen einschätzen, ist es nicht sinnvoll, sich auf einzelne Laborwerte des Cholesterins zu stürzen. Niedrige LDL-Werte nützen z.B. wenig, wenn die Triglyceride durch die Decke gehen. Und auch niedrige Triglyceridwerte müssen im Kontext betrachtet werden. Mediziner sollten das gesamte Risikoprofil eines Menschen in den Blick nehmen: seine Familiengeschichte, Bewegungsgewohnheiten, Stresslevel, seine Ernährung.

Wer trotz allem sichergehen will, dass sich kein überschüssiges Cholesterin in seinem Körper anlagert, isst einfach regelmäßig ballaststoffreiche Lebensmittel wie Äpfel oder grünes Blattgemüse oder schickt 1–2 EL Haferkleie täglich als Staubsauger durch den Darm.