Die Fettlogik betrifft sowohl dicke als auch dünne Menschen und sabotiert jeden Versuch, abzunehmen.

Die großzügige Auslegung schwammiger Studien zugunsten des eigenen Lebensstils war bereits ein Beispiel für das zentrale Thema dieses Blogs: die Fettlogik. Die Fettlogik ist die Summe aller vermeintlichen Fakten und Erklärungen für die Schicksalhaftigkeit von Normal- und Übergewicht. Sie erklärt, warum man selbst oder jemand anders unvermeidlich dick ist oder warum man doch im Grunde genau so bleiben sollte, wie man ist.

Die Fettlogik nährt sich aus all den zuvor genannten Halbwahrheiten und betrifft sowohl dünne als auch dicke Menschen. Schlanke unterstellen Übergewichtigen gerne, der wahre Grund für ihre Gewichtsprobleme sei fehlende Willensstärke. Er oder sie müsse einfach weniger essen und sich endlich mehr bewegen. Dann würde sich das Thema von ganz allein erledigen. Übergewichtige wiederum machen sich selbst oft zum Opfer ihres eigenen Stoffwechsels. In ihrer Wahrnehmung wird jedes Gramm Schokolade bei ihnen gnadenloser und direkter in Körperfett umgewandelt als bei anderen Menschen. Wir werden im weiteren Verlauf dieses Blogs sehen, dass keine dieser beiden Sichtweisen haltbar ist.

Schwierig daran ist, dass die Fettlogik quasi jeden Versuch der vorsätzlichen Gewichtsreduzierung sabotiert und als per se aussichtsloses Unterfangen abstempelt. Der eigene Metabolismus sei genetisch bedingt kaputt, der Jo-Jo-Effekt habe nach der letzten Diät sogar noch mehr Kilo auf Hüften und Waage gebracht und der Segen des kiloschluckenden Superstoffwechsels sei unfairerweise nur anderen vergönnt – es gibt immer Gründe, es gar nicht erst zu versuchen oder die Flinte beim ersten Rückschlag direkt ins Korn zu werfen. Das führt erstens zu dem hilflosen Gefühl, sich dem eigenen Gewicht nur noch ergeben zu können. Zweitens liefert es plausible Vorwände, um sich vor ungemütlichen Veränderungen des Lebensstils und lästigen Ernährungsumstellungen zu drücken.

Manche flüchten sich dann in die Überzeugung, das eigene Übergewicht sei letztlich natürlich und maßgeschneidert – für die schweren Knochen, den breiten Körperbau oder die wuchtige Persönlichkeit. Bemerkungen wie „Ich kann dich mir auch gar nicht dünn vorstellen“ helfen zusätzlich, die Rolle des drolligen oder durchsetzungsfähigen Dicken mit Überzeugung auszufüllen.

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