Unser vermeintliches Expertenwissen rund um Diät und Gewicht basiert auf Pseudofakten.

Wenn es um die Themen Gewicht, Gesundheit und Schlankheit geht, gibt es viele selbsternannte Experten. In jedem Freundeskreis ist mindestens eine Person in der Lage, jeden mit Ernährungstipps und Diättricks zu versorgen, der nur leise ans Abnehmen denkt. Doch woher kommt diese scheinbar geballte Kompetenz, und wie wasserdicht sind die Fakten?

Der Großteil der Gewichts- und Gesundheitsgerüchte stammt nicht aus wissenschaftlicher Fachliteratur, sondern weitaus weniger verlässlichen Quellen wie Frauen- und Fitnesszeitschriften, Werbespots oder Erfahrungsberichten. Ihre Kernaussagen sind so widersprüchlich, dass der Laie nicht mehr weiß, ob er nun Fett oder Kohlenhydrate weglassen, das Saftfasten probieren oder Kohlsuppe schlürfen soll. Wer dann mithilfe einer bestimmten Diät endlich die Pfunde zum Purzeln bringt, wird schnell zum Konvertit seiner neuen Heilslehre. Dabei weiß die Forschung, dass anfangs nahezu alle Diäten zu einem Gewichtsverlust führen, weil sie alle einen reduzierten Kalorienkonsum vorschreiben. Und wer anschließend zu seinen früheren Essgewohnheiten zurückkehrt, nimmt unvermeidlich auch wieder zu.

Hier betreten wir das Gefahrengebiet der Halbwahrheiten, in dem viele von uns gerne die Schlüsse ziehen, die ihren Lebensstil rechtfertigen. Eine viel diskutierte Studie von 2013 fand z.B. heraus, dass Menschen mit leichtem Übergewicht rein statistisch ein niedrigeres Sterberisiko haben als Personen mit Normalgewicht. Prompt interpretierten manche Medien und viele Leser, die Mär vom Schlanksein sei endlich widerlegt und Übergewicht sogar erwiesenermaßen gesund. Doch das ist nur eine mögliche Auslegung. Eine alternative Erklärung lautet, dass sich unter den untersuchten Normalgewichtigen deutlich mehr Raucher befanden, die das durchschnittliche Sterberisiko signifikant erhöhten.

Der sogenannte Body Mass Index (BMI) sorgt als vermeintlicher Gesundheitsindikator für weitere Verwirrung. Wenn man dieses Verhältnis aus Körpergewicht und Körpergröße zur Grundlage der physischen Verfassung im Land macht, sind ganze drei Viertel der Bevölkerung mindestens leicht übergewichtig. Das führt zu dem verzerrten Fazit, Übergewicht sei quasi längst die Norm und ein „normaler“ BMI zwischen 18,5 und 24,9 tatsächlich ungesundes Untergewicht. In Wirklichkeit gibt der BMI keinen Aufschluss über den Körperfettanteil, der das eigentliche Gesundheitsrisiko darstellt – und auch bei schlanken Menschen hoch sein kann!

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