Die moderne Brotindustrie verwendet weißes Weizenmehl, das so gut wie gar keine Nährstoffe mehr enthält.

Weißes Weizenbrot ist die mit Abstand beliebteste Brotsorte der westlichen Welt. US-Amerikaner decken 20% ihres Kalorienbedarfs mit Brot, und 95% dieser Kalorien stammen aus Weißbrot. Das Problem ist nur, dass Weizenmehl heute so gut wie gar keine Nährstoffe mehr enthält.

Man könnte sogar sagen: Weißbrot ist fast dasselbe wie purer Zucker. Trotzdem sind wir auf beiden Seiten des Atlantiks völlig verrückt danach. Wie lässt sich das erklären?

Der Hype um das Weißbrot an sich ist nicht neu. Für die alten Griechen und Römer z.B. war weißes Brot das Nonplusultra. In Zeiten schwerer Lebensmittelverunreinigungen und grassierender Krankheiten stand die helle Farbe für die Reinheit des Brots. Außerdem war weißes Weizenbrot süßer und weicher als andere Brotsorten – was ebenfalls wichtig war in einer Zeit, in der die Menschen aufgrund fehlender Hygiene früh ihre Zähne verloren.

Der Übergang zum modernen und nahezu nährstofflosen Weißbrot fand erst im 19. Jahrhundert statt. In dieser Zeit wurden die ersten Walzenstühle erfunden, die bis heute als industrielle Getreidemühlen verwendet werden. Mithilfe dieser Maschinen gelang es, die Kleie und den Keim zu entfernen, die dem Vollkorn seine natürlich dunkle Textur und Farbe geben, und vollständig weißes Weißbrot zu backen.

Dabei kamen aber auch so gut wie alle Nährstoffe abhanden. Die Schale, die Kleie und der Keim des Vollkorns enthalten all die Vitamine, Mineralien und Antioxidantien, die es so gesund machen. Die Langzeitfolgen machten sich erstmals Anfang des 20. Jahrhunderts bemerkbar, als z.B. in den USA immer mehr Menschen unter Mangelernährung, Diabetes und Herzkrankheiten litten.

Die US-Regierung reagierte – aber nicht etwa damit, die Rückkehr zum Vollkorn auszurufen. Sie hieß die industriellen Hersteller nur an, ihr Weißbrot ab sofort künstlich mit Nährstoffen anzureichern. In den 1940ern begannen Unternehmen wie die Continental Baking Company und Wonder Bread damit, ihren weißen Laiben B-Vitamine beizufügen.

Im Laufe der Zeit ließen viele Hersteller zumindest wieder die Kleie am Weizen und verkauften ihr Brot fortan als „Vollkornbrot“. Das hat aber, besonders in Nordamerika, noch immer nicht viel mit dem Nährstoffgehalt echten Vollkornweizens zu tun. Viele Unternehmen reichern ihre Brote außerdem bis heute mit haufenweise künstlichen Zusatzstoffen und Zucker an, um die alten Geschmacksgewohnheiten der Menschen zu bedienen.

https://smalo.de/brot-wurde-nach-seiner-entdeckung-zum-wichtigsten-bestandteil-der-westlichen-ernaehrungsweise/
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