Sport fördert Multitasking und kreatives Denken

Hast du Kinder? Und fragst du dich auch manchmal, wie die es angeblich schaffen, mit dir zu reden, während sie gleichzeitig Instagram checken, bei WhatsApp chatten und auf einem Ohr noch Musik hören? Das ist Multitasking at its best.

Multitasking wird durch einen komplexen Mechanismus im präfrontalen Kortex ermöglicht – dem Vorderhirn. Dieser Mechanismus wird auch kognitive Kontrolle genannt und durch drei verschiedene Areale gesteuert: den unteren frontalen Verbindungsbereich, den rechten dorsolateralen präfrontalen Kortex und den rechten ventrolateralen präfrontalen Kortex. Moment – dorso-prä-ventro – was?

Noch mal langsam: Der untere frontale Verbindungsbereich ist für die Konzentration auf eine Aufgabe und die Unterdrückung irrelevanter Informationen zuständig. Der rechte dorsolaterale präfrontale Kortex dient als Arbeitsgedächtnis und dafür, die Zusammenhänge der verschiedenen Aspekte einer Aufgabe herzustellen. Die dritte Region, der rechte ventrolaterale präfrontale Kortex, sorgt wiederum für die nötige Flexibilität, also dafür, dass Planänderungen und Alternativen erwogen werden können.

Das Zusammenspiel dieser Areale lässt sich am Beispiel des Autofahrens leicht erklären: Autofahren bedeutet, sich auf eine komplexe Aufgabe zu konzentrieren. Dazu werden alle unwichtigen Informationen ausgeblendet, wie der Straßenlärm oder die streitenden Kinder auf dem Rücksitz. Das Autofahren selbst besteht auch aus verschiedenen Aspekten, die man alle im Kopf haben muss, z.B. steuern, Gas geben und sich orientieren. Zudem gilt es, flexibel zu bleiben, um spontan einen Umweg nehmen oder auf ein bremsendes Auto reagieren zu können.

Doch auch der routinierteste Autofahrer bekommt Konzentrationsschwierigkeiten, wenn er gestresst ist. Die mentale Anstrengung beim Sport kann einem helfen, Stress abzubauen und zu entspannen, sodass die kognitive Kontrolle wieder möglich wird. Beim Sport konzentriert man sich nämlich vollständig auf eine einzige Aufgabe wie z.B. weiterlaufen. Dadurch wird die Aktivität im präfrontalen Kortex herabgesetzt, was zur Entspannung in diesem Bereich führt.

Solche Momente der Erholung sind wichtig, um später wieder multitaskingfähig zu werden. Wobei Multitasking streng genommen nicht bedeutet, dass man tatsächlich mehrere Dinge gleichzeitig tut oder denkt. Es bedeutet, dass die Aufmerksamkeit sehr schnell zwischen verschiedenen Aufgaben oder Aspekten einer Sache hin und her springt.

Darüber hinaus sorgt die körperliche Auslastung dafür, dass dein Körper müde wird und somit seine gesunde Dosis Schlaf bekommt. Auch das ist wichtig für das Gehirn, denn Schlafmangel wirkt sich negativ auf die kognitive Kontrolle aus.

Während sich das Netzwerk für Multitasking beim Sport erholt, geht das sogenannte Ruhezustandsnetzwerk in Betrieb. Es setzt sich aus verschiedenen auf der Hirnrinde befindlichen Arealen zusammen. Ist dieses Netzwerk aktiv, denkst du an nichts Bestimmtes mehr. Die beteiligten Regionen treten dann in einen Informationsaustausch, in dessen Folge dir plötzlich Dinge einfallen, an die du sonst vielleicht gar nicht gedacht hättest. Du wirst kreativ.

Das kann unter der Dusche passieren, wenn du die Gedanken schweifen lässt, oder auch beim Radfahren, wenn du mal wieder das „Denken abschaltest“. Bewegung hält also nicht nur unser Gedächtnis frisch, sondern fördert auch die Kreativität und das Multitasking.

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