Knabenkraut, Einheimische Heilpflanzen

nahe verwandte Gattungen (Orchis und Dactylorhiza) der Orchideen. Neuere molekularbiologische Untersuchungen haben gezeigt, daß die Gattung Orchis triphyletisch ist.

Sie wird daher neuerdings in 3 Gattungen zerlegt: in Orchis (mit den Arten militaris, simia, purpurea usw.), Anacamptis (mit den Arten morio, palustris, papilionacea, coriophora usw. einschließlich der bereits schon immer in dieser Gattung stehenden Anacamptis pyramidalis, Pyramiden-Knabenkraut [Hundswurz]) und Neotinea (mit Neotinea ustulata = Brand-Knabenkraut, tridentata usw.).

Knabenkraut (Orchis morio)

Die Gattung Orchis [griech. Bezeichnung für Hoden] umfaßt 35 Arten in den gemäßigten Regionen der Nordhalbkugel (13 davon in Mitteleuropa). Es sind bodenbewohnende, unverzweigte Stauden mit 2 kugeligen Wurzelknollen (zur Blütezeit) und mehreren derben, lineallanzettlichen bis länglich-eiförmigen, bisweilen purpurn gefleckten Blättern. Die dichten, kugel-, kegel- oder walzenförmigen Blütenähren zeichnen sich aus durch kurze, häutige Tragblätter; die kleinen, weiß, hell- oder dunkelrosa gefärbten Blüten weisen in der Regel ein Muster aus purpurroten Linien und Punkten auf.

Charakteristisch ist die von inneren und äußeren Perigonblättern gebildete Haube, die ungeteilte bis 3lappige Lippe mit ihrem meist schlanken, unterschiedlich langen Sporn. Der unterständige Fruchtknoten entwickelt sich zu einer eiförmigen oder zylindrischen Kapsel mit zahlreichen, winzigen Samen. Arten der Mesobrometen (Mesobromion) sind: Orchis morio (Kleines Knabenkraut; vgl. Abb. ), Orchis ustulata (Brand-Knabenkraut), Orchis simia (Affen-Knabenkraut), Orchis militaris (Helm-Knabenkraut) und Orchis mascula (Stattliches Knabenkraut); Orchis purpurea (Purpur-Knabenkraut; vgl. Abb. ) gilt als Charakterart der Quercetalia pubescentis, Orchis palustris (Sumpf-Knabenkraut) findet man in basenreichen Moorwiesen.

Im Mittelalter, als man vom Aussehen einer Pflanze auf ihre arzneiliche Wirkung schloß, wurden die Wurzelknollen von Orchis-Arten in größerem Umfang als Aphrodisiakum gehandelt. Die Gattung Dactylorhiza ist mit 30 Arten in Europa, Asien, Nordamerika und Nordafrika vertreten. Ihre Arten unterscheiden sich von denen der Gattung Orchis durch handförmig geteilte Wurzelknollen und besonders kräftige, laubartig ausgebildete Tragblätter, die mindestens so lang wie der Fruchtknoten, häufig aber auch länger als die meist rosa oder rot (seltener gelb) gefärbten Blüten sind.

Bei diesen bilden häufig nur die inneren Perigonblätter die Haube, während die äußeren ausgebreitet bleiben. Häufigste Arten sind Dactylorhiza majalis (Breitblättriges Knabenkraut; vgl. Abb. ) und Dactylorhiza maculata (Geflecktes Knabenkraut; vgl. Abb. ), die beide in kalkarmen Naßwiesen und Sümpfen wachsen.

Knabenkraut-Arten sind oft schwer gegeneinander abzugrenzen, da nahe verwandte Arten eines Standorts häufig bastardieren und so komplexe Sippen bilden. Bis auf das Wanzen-Knabenkraut (Orchis coriophora) sind alle Arten Nahrungs-Täuschblumen, da in ihrem Sporn „nichts drin ist“. Sowohl bei Orchis als auch bei Dactylorhiza haben sich raffinierte Bestäubungsmechanismen entwickelt, bei denen 2 mit Klebscheiben versehene Pollinien so auf die Köpfe blütenbesuchender Insekten plaziert werden, daß ihr Pollen in der nächsten Blüte direkt auf die Narbe trifft.

Bestäuber des Helm-Knabenkrauts (Orchis militaris) sind verschiedene solitäre Bienen der Familien Sandbienen, Langhornbienen und Pelzbienen; das Brand-Knabenkraut (Orchis ustulata, heute Neotinea ustulata; vgl. Abb. ) wird vor allem von einer Raupenfliege bestäubt; die im Sommer blühende Orchis ustulata ssp. aestivalis wird dagegen von kleinen Käfern besucht. Die Keimlingsentwicklung vollzieht sich, wie bei Orchideen üblich, in enger Symbiose mit einem Pilz (Mykorrhiza). Fast alle Arten des Knabenkrauts stehen auf der Roten Liste und sind teilweise im Bestand stark gefährdet oder sogar vom Aussterben bedroht. Ihre Standorte verbuschen, werden aufgeforstet oder zwecks Ertragserhöhung so stark gedüngt, daß die konkurrenzschwachen Orchideen verdrängt werden. ä Bestäubung I , Orchideen.

Medizin, Heilwirkung und Anwendung

Das heilende Prinzip aller Schleimdrogen ist die Reizmilderung durch Umhüllung der entzündeten Schleimhäute. Deshalb eignete sich auch der Salep-Schleim zur Behandlung von Durchfällen und Reizerscheinungen in Magen und Darm.

So wurde der Salep-Schleim zubereitet

Mittelfeingepulverte Salepknolle (Knabenkrautknolle) 2g wurde mit 2 g reinem Alkohol in einer Flasche gut vermischt. Dann gab man 20g siedendes Wasser hinzu und schüttelte kräftigdurch. Das wiederholt sich bis keine Klümpchen mehr entstehen. Danach wurde mit kochendem Wasser auf 200g aufgefüllt.
Bei Durchfall 3-5 mal täglich einen Teelöffel.

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